Tara 101 – Die Basics

In meinem Blog gibt es zwei Beiträge, die mir sehr wichtig sind. Diese beschäftigen sich mit mir, meinem Wesen und auch meiner Krankheit. Die Texte wollte ich hier nochmal zusätzlich einpflegen, damit sie nicht zwischen den anderen Beiträgen verloren gehen.

Eine Anleitung*, veröffentlicht am 15.09.2016

Tara. 29 Jahre alt. Verheiratet, alleine lebend, offene Beziehung. Alle Freiheiten, meine Entscheidung. Mein Mann: mein Herz, mein Berater, mein Mitwisser.

Curvy. BBW. What ever. Nennen wir es Dick. Bei 1,65 m sind es >130 kg. Knie sind kaputt, knien, hocken, auf Dir sitzen und Dich reiten: nein. Komplexe sind vorhanden. Ich habe durchaus eine große Klappe, aber ich werde ängstlich wenn es unter die Kleidung geht. Es ist eine Hürde. Wenn ich sie nehme, hat sich dieses Problem recht schnell gegeben.

Die große Klappe. Ich bin nicht dumm und schon gar nicht auf den Mund gefallen. Aber ich mag Knebel. Und Ohrfeigen. Und Kämpfe, die ich verliere. Das Blitzen in den Augen, der Triumph des Gegenübers. Du wirst Deinen Weg finden, damit umzugehen.

Ich bin Emotion. Ich reagiere über und unter, mein Kopf muss ab und zu zurechtgerückt werden, ich muss aufgefangen werden, nicht nur in der Session. Daher: klare Worte, keine Missverständnisse. Sag, was Du willst und was Du erwartest. Und spiel nicht mit mir. Körperliche und seelische Schmerzen gehen bei mir Hand in Hand. Du erzeugst bei mir Schuldgefühle, lässt einen Konflikt ungeklärt, lässt mich zappeln = ich habe  Schmerzen und schlechte Laune, blockiere mir dadurch meinen Alltag und ein Stück weit mein Leben. Und dafür bin ich mir zu schade. Das heißt auch: Du musst gefestigt sein in Dir, in Deinem Leben, in Deiner Partnerschaft.

Neugier, Analyse, Wissen wollen. Ich frage, möchte verstehen, möchte lernen, begreifen, was Du tust, warum Du das tust, was Dich daran kickt. Diese Meta-Ebene ist mir sehr wichtig. Kommunikation ist die Basis.

Kommunikation braucht aber auch Zeit. Mich mit mir bisher nahezu Unbekannten zum Spielen treffen? Wird nicht passieren. Ich kann Deine Schlampe werden, aber ich bin erstmal Diva. Rede mit mir. Vermeide Dinge wie „Hallo Bückstück, wir kennen uns nicht, ich würde dich gerne mal ficken!“. Penisfotos: Kein Interesse. Ich bin kein Fickstück, keine Stute, keine Bitch. Ich bin ein Mensch mit einem Namen, Tara lautet er für Dich. Niveau ist keine Handcreme und wie bereits getwittert: Style – separates the men from the Boys. Das gilt auch für Deine Wortwahl.

Das klingt jetzt vermutlich kompliziert. Aber ich denke, der Aufwand lohnt sich. Wenn es klickt und ich für Dich brenne, kriegst Du eine wortgewandte, intelligente (Spiel-)Partnerin, du kriegst Zuneigung, Dankbarkeit, Begeisterung, Du kriegst leuchtende Augen. Ich werde an Deinen Lippen hängen, werde sein, was ich für Dich sein darf, Deine Befriedigung ist mein Ziel. Wenn Du mich zufrieden anlächelst, steht meine Welt still.

Und wenn nicht können, wir uns auch einfach gut unterhalten =)

*Geschrieben mit einer gewissen Enttäuschung im Bauch. Verzeiht mir negative Schwingungen.

Spielen im Grenzgebiet, veröffentlich am 23.09.2016

Borderline. Hässliches Thema, wirklich hässlich. Aber für eventuelle und tatsächliche Spielpartner ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen, es ist in manchen Momenten der Schlüssel, um die Situation zu entspannen.

Diese Diagnose bekam ich vor einigen Jahren, nach mehreren Jahren Therapie wurde sie wieder zurückgezogen. Ich bin nicht Borderline genug, aber ich habe gewisse Tendenzen in diese Richtung.

Erstmal die beiden Fragen, denen ich oft begegnet bin:

Ich ritze mich nicht. Meine Arme und Beine sind frei von Narben. Wenn ich mich verletze, dann meist aus Langeweile oder aus Lust, und dafür wähle ich andere Methoden als Klingen. Wenn ich Anspannung loswerden muss, weine ich, zocke, tue irgendwas, aber ich verletze mich nicht.

Ich trinke nicht, rauche nicht, konsumiere keine Drogen. In diesem Punkt bin ich die Langweilerin vor dem Herrn =) Meine persönliche Schwäche ist Shopping, Amazon liebt mich tief und innig. Geht es mir schlecht, bestelle ich gerne.

Was mich aber voll trifft ist dieses hier:

„Menschen, die von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen sind, leiden unter großer Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität und Integrität. Es ist ihnen nur schwer möglich, zu erfassen und wiederzugeben, wer sie wirklich sind. Gleichzeitig wird das eigene Selbstbild und der eigene Körper sehr negativ eingeschätzt“ – Prof. Dr. Martin Bohus, Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Ich bin zutiefst verunsichert was meinen Geist, meinen Körper, mein Ich angeht.

Den Körper hatte ich unter „Eine Anleitung“ schon kurz erläutert, daher spare ich mir das jetzt. Worum es mir eigentlich geht sind die Emotionen.

Ich fühle viel, schnell, heftig. Ich interpretiere Worte, Gesten, Blicke und bilde daraus Gefühle, die leider erst nach dem Fühlen auf „Richtigkeit“ kontrolliert werden. Hat er das so gemeint? Hab ich das falsch verstanden? Warum hat er das jetzt gesagt? Ich werde nachfragen, teilweise bei den für andere deutlichsten Hinweisen. Kommunikation ist mein Weg, mich über diese emotionale Ebene zu erheben, und diese ein Stück weit zu sortieren. Ich analysiere, frage, rede und kläre die strittigen Punkte. Aber dazu muss das Gegenüber bereit sein.

Ähnliche Gefühle verschwimmen bei mir gerne mal. Beispiel: In meine besten Freunde war ich zwischendurch fast immer mal tierisch verknallt. Diese Gefühle tauchen auf und vergehen wieder (Selten ist jemand damit so souverän umgegangen wie Du, Mitlesender :*) Was bleibt ist Zuneigung, Vertrauen, Sicherheit, Loyalität, eine tiefe Freundschaft.

Die Auswirkung auf eventuelles Spielen: ich finde dich vermutlich nicht nur sympathisch, ich bete dich an. Aber ich will dich nicht besitzen, nicht für mich alleine, will mich nicht für den Rest meines Lebens an dein Bein ketten um bei dir zu sein. Das ist ein zeitlich begrenzter Effekt, und das ist mir vollkommen bewusst. Am nächsten Tag vermisse ich dich etwas, am übernächsten bist du bei mir emotional wieder auf dem jeweiligen normalen Niveau angekommen.

Das vermutlich größte Problem ist nicht, was ich wie fühle, sondern dass ich mich selber als ungemein kompliziert und schwierig einschätze. Ich möchte Erfahrungen machen, möchte Menschen kennenlernen, renne aber mit einem „Vorsicht, ich bin SCHWIERIG“ Schild herum. Ich habe schon als Kind verinnerlicht, dass ich nicht einfach bin, ich übertrieben reagiere, mir Dinge einfach nur einrede. In der Folge hat sich dieses „Nippel durch die Lasche“-Gefühl manifestiert. Und wenn sich heute jemand für mich interessiert, denke ich nicht „Yay!“, sondern „Warum das denn? Weiß der nicht, wie anstrengend ich bin?“.  Das ist natürlich nur bedingt hilfreich. Gegen dieses Gefühl von Unzulänglichkeit kann ich wenig tun. Du kannst mir deine Zuneigung zeigen, aber ich werde sie wohl früher oder später wieder in Frage stellen. „Bin ich dir wirklich genug?“ Und dagegen habe ich noch kein Mittel gefunden.

Ich finde es wichtig, all das hier zu erklären. Auch wenn es in mir die Angst hervorruft, jemanden zu verschrecken. Aber wenn es dich verschreckt, könntest du auch nicht damit umgehen.