Next, please: Ansatz drei – Ein Beitrag zur #BDSMBlogparade

Als mir vor einigen Wochen die Anfrage, ob ich als Teil der Blogparade zum Thema „Erniedrigung/Humiliation“ einen Beitrag schreiben möchte, in das DM-Fach flatterte, war ich sofort dabei. Es dauerte keine halbe Stunde, da hatte ich meinen Ansatz im Kopf. Ich wollte eine Story schreiben, Kopfkino über den Moment danach. Über den Moment, in dem er sie unter die Dusche stellt und beinahe schon rituell reinigt, in dem er sie zärtlich einseift, massiert, abspült, die Spuren eines Public-Disgrace-Abends mit BDSM-Session würdigt. Ich wollte nicht über den eigentlichen Akt der Erniedrigung schreiben, sondern über den Zeitraum, in dem das Paar wieder auf Augenhöhe findet, nein, in dem er sich ein Stück weit erniedrigt, um sie aufzufangen. Geleckter Orgasmus unter der Dusche inklusive. Aber das war zu weit weg, ich fand in der Story nicht den Punkt für den Blick zurück, wollte ihn eigentlich nicht finden. Wollte diesen Moment durch die Erinnerung an das Geschehene nicht stören.

Also auf zum nächsten Ansatz. Es gibt doch da im Shibari diese Sache mit dem Entblößen, ist das nicht auch irgendwie erniedrigend? Sofort schaltet sich das Kopfkino an, eine Szene mitten auf der Tanzfläche im Fetischclub, Menschentraube, überraschte Frau, verspielter Mann, Seile, Schmerzen, kleine Gemeinheiten. Die Szene gefiel mir, ich mag die Mischung aus Gemeinheit und liebevoll sein, mag, dass er ihr eine fremde Kulisse bietet, aber Schmerz, den sie kennt, in den sie sich fallen lassen kann. Und dass es da Momente der Stille gibt, in denen sie aus diesem Schmerz wieder auftaucht, nur um sich bewusst zu werden, dass sie gerade nackt und gefesselt mitten unter diesen Menschen am Boden liegt, wehrlos und blind, dank Augenbinde. Diese Momente, in denen der Kopf anfängt zu arbeiten, in denen der Schmerz nicht beschäftigt oder betäubt, sondern in dem man wieder mit dem Denken, dem Grübeln beginnen kann. In denen man Zeit findet, sich so richtig unwohl zu fühlen. Aber bei diesem Ansatz fand ich kein Finale. Wohin genau steuert die Story? Was lasse ich zu, was nicht? Ab wo geht es mir zu weit?

BDSM ist ein Spiel auf abgesteckten Flächen. Der Bottom weist dem Top einen Spielraum zu, und dieser darf sich in diesem Gebiet austoben. Dabei gibt es sichere Gefilde, gut ausgeleuchtet und oft schon bekannte Ecken, und Randzonen, in denen man nachts vielleicht eher nicht alleine spazieren gehen sollte. Erniedrigung spielt sich für mich in genau diesen Randzonen ab. Natürlich ist das noch immer einvernehmlich, aber gleichzeitig hat der Top die Aufgabe, die Wege zu beschreiten, die wirklich anstrengend sind, die wehtun. Bei denen man zwischendurch zumindest mal glaubt, dass man es nicht mehr schafft, körperlich vielleicht, psychisch auf jeden Fall. Tränen, ein Stück Verzweiflung, Verlust der Kontrolle und Sicherheit, bis zum Betteln, der Bitte, aus dieser Situation befreit zu werden. Genau da wäre meine feine Linie, die es zu balancieren gilt. Und an dieser Balance scheitere ich. Ich finde es unheimlich schwierig, diese Grenze auszuloten. Schmerzgrenzen sind dagegen so einfach, zumindest für mich. Aber Erniedrigung funktioniert für mich nicht (nur) über Schmerzen, auch nicht (nur) über Sex. Dafür braucht es die Psyche und eine Situation, in der diese wirklich aneckt, an eine Grenze stößt und darüber gezwungen wird. Es muss sich unangenehm anfühlen für das Opfer, tatsächlich unangenehm. Aber: Nach dieser Situation muss dieses Gefühl vorbei sein, es darf sich nicht fortsetzen, vielleicht auf andere Teile des Lebens übergreifen und den Träger dieses Gefühls nachhaltig verunsichern.

Ich habe auch für mich persönlich noch kein Kopfkino gefunden, das funktioniert. Kein Wunder, dabei müsste ich mir ja ein Stück weit schaden. Mir fehlt leider auch die tatsächliche Erfahrung eines Events, das in diese Richtung geht. Ich kenne nur einen Bericht von einem Freund. Nach diesem ging es in erster Linie um die Benutzung der Frauen durch fremde Männer und irgendwie… wäre das nicht mein Mittel der Wahl in Sachen Erniedrigung. Aber ich kann gut nachvollziehen, dass es kompliziert wird, wenn man einen Abend zu diesem Thema für verschiedene Menschen gestalten möchte. Die Grenzen verlaufen bei jedem individuell, was für den einen vollkommen ok ist, ist für den anderen schon viel zu viel.

Ihr seht, es ist nicht so einfach. Und es tut mir leid, dass ich hier kein erotisches Kopfkino biete, ich habe es versucht. Ich hoffe, ich habe euch dennoch mit meinen Gedanken unterhalten.

Die Beiträge meiner Mitschreiber zur #BDSM-Blogparade:

„Erniedrige mich – nicht“ der Seitenspringerin

„Erniedrigung“ von Tomasz Bordemé

„Erniedrigung“ von Tanja Russ

„Erniedrigung“ von Margaux Navara

„Erniedrigung ist Ermächtigung“ von Lady Keks

„Erniedrigung“ von Falbalus

„Einblicke“ von Ophelia

„Erniedrigung“ von Marie Moreau

„Erniedrigung“ von DerDompteur

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7 Kommentare zu „Next, please: Ansatz drei – Ein Beitrag zur #BDSMBlogparade

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